„Musik war immer der rote Faden in meinem Leben.“

„Musik war immer der rote Faden in meinem Leben.“

Ein Gespräch mit dem Posaunisten Gerhard Helene

Er hat bereits vor der Queen gespielt. Gemeinsam mit dem Bläserkreis von St. Stephan in Mainz, seiner Heimatstadt, durfte Gerhard Halene 1978 am musikalischen Rahmenprogramm zu Ehren des Besuchs von Elisabet II. im Gutenberg-Museum teilnehmen.

Nachhaltiger als der Blick auf die britische Monarchin aber waren für ihn die Erfahrungen, die er, gemeinsam mit seinem Bruder, mit dem Bläserkreis machte. „Wir hatten da immer ein volles Programm und mit Joachim Biber und Michael Drais sehr gute Lehrer. Außerdem spielte ich an der Schule im Orchester mit.“ Als Posaunist wurde er Mitglied im Landesjugendorchester Reinland Pfalz und studierte schließlich klassische Posaune am Peter Cornelius Konservatorium in Mainz. „Musik war immer der rote Faden in meinem Leben.“

Sensitivität für das Instrument entwickeln

Die musikalisch und pädagogisch erfolgreiche Ausbildung und Begleitung der Schüler damals im Bläserkreis von St. Stephan mag ein Grund dafür sein, dass Gerhard Halene heute zu seinen eigenen Schülern ein meist enges und persönliches Verhältnis hat. „Mir macht es große Freude junge Schüler zu unterrichten. Das Erlernen eines Instruments ist ja mehr als nur Technik. Neben der Stimm- und Körperarbeit ist es mir wichtig, dass die Schüler auch Sensitivität für ihr Instrument entwickeln.“

Gerhard Halene

 

Ich sitze Gerhard Halene gegenüber. Er hat sich auf einen Barhocker gesetzt, ein Bein nach vorne gestreckt, als säße er auf der Bühne und warte auf seinen Einsatz. Der Raum unter dem Dach erinnert an eine Studentenbude. In einer Ecke stehen zahlreiche Kisten und Koffer mit Instrumenten: Tuba, Bariton-, Tenor- und Bass-Posaune, eine Carbon-Posaune, ein Euphonium, eine Peacock-Posaune, ein Tenorhorn. Vor dem Dachschrägenfenster ein Schreibtisch voller Papiere, Notenblätter und Hefte in den Regalen, Keyboard, Boxen, Schallplatten, verstreuter Kleinkram auf dem Dielenboden. Die Wände sind blass-grün gestrichen…

Überschaubares Repertoir

Gerhard Halene schaut neugierig und zurückhaltend zu mir herüber. Seine ruhige, leise Stimme überrascht bei einem so  großgewachsenen Mann mit kräftigen Händen, Glatze und markanten Gesicht. Er strahlt Ruhe und Konzentration aus.

Er war es, der Rolf Beitzel das Posaunenkonzert von Launy Grøndahl vorgeschlagen hat, das am 24. April 2016 mit Halene als Solist und dem COLLEGIUM MUSICUM zur Aufführung kommt.

Probe zum Grøndahl Konzert

Probe zum Grøndahl Konzert

 

Die Zahl der klassischen Posaunenkonzerte ist ausgesprochen überschaubar. Die bekanntesten Werke sind die von Georg Christoph Wagenseil (1715-1777) und  Ferdinand David (1810-1873). Im 20. Jahrhundert erweitert sich das Repertoire für Posaune erheblich. Lars-Erik Larsson, Gordon Jacob und Derek Bourgeois zählen zu den bedeutendsten Komponisten für Posaune  des vergangenen Jahrhunderts. Auch aus der Filmmusik ist die Posaune nicht mehr wegzudenken.

Neben seiner Lehrtätigkeit am Franziskus Gymnasium Nonnenwerth und an der Bad Honnefer Musikschule,  leitet Gerhard Halene den Posaunenchor der Emmauskirche in St. Augustin Menden und ist Leadposaunist der Uni Big Band Bonn.

Hauptsache Blech

Bislang hielt ich die Posaune immer für ein typisches, ja für das klassische Jazzinstrument. Gerhard Helene grinst ein wenig verschmitzt. „Natürlich gehört die Posaune zum Jazz und ist dort nicht wegzudenken. Aber egal ob Klassik oder Jazz… Hauptsache Blech.“  Spielt er in einer Band, einer festen Formation? „Ja!“ –  „Heiligs Blechle“ nennt sich das Blechbläserquartett mit Jürgen Roth, Daniel Stein, Christoph Bube und Gerhard Halene. Gespielt werden Gospel, Jazz, Soul und Funk. Auftritte im Köln/Bonner Raum.

Blechbläserquartett "Heiligs Blechle" ©Foto: Jürgen Roth

Blechbläserquartett „Heiligs Blechle“ ©Foto: Jürgen Roth

 

Die Arbeit als freier Musiker sei nicht immer einfach. „Aber die Bedingungen in Honnef und Umgebung sind gut:  Musiker und Ensembles kennen sich untereinander und nutzen Synergieeffekte. Die Arbeit ist anregend und abwechslungsreich.“

Im vergangenen Jahr spielte Gerhard Halene mit bei der gefeierten Cäcilienmesse in St. Marien in Rhöndorf. Nun ein klassisches Posaunenkonzert im Kurhaus. Vielleicht gibt es ja bald auch mal ein Jazzkonzert in Bad Honnef?!

 

Text: Paul Schilling