Geschichte des Collegium Musicum Bad Honnef

Geschichte des Collegium Musicum Bad Honnef

Clemens Heinen

Clemens Heinen

Aus einer Gruppe engagierter Musikliebhaber und begeisterter Laienspieler fügte im Herbst 1949 Studienrat Klemens Heinen im Rahmen des Volksbildungswerkes einen Instrumentalkreis zusammen, der am 27. November 1949 im Städtischen Kursaal Bad Honnef unter der Bezeichnung „Collegium musicum instrumentale et vocale“ zum Tag der Hausmusik sein erstes Konzert gab. Zusammen mit dem Schülerchor des Siebengebirgsgymnasiums sang schon bei dieser Gelegenheit der ebenfalls von Studienrat Heinen gebildete Kammerchor.

Schon bald darauf rüstete man sich erneut zu einem Konzert zum Beginn des Bachjahres 1950; dies fand statt am 22. Januar und wurde zu einem großen Erfolg. Ein weiteres Konzert zum Bachjahr fand am 15. Oktober im Altenberger Dom statt; hier wirkte schon der spätere Leiter des COLLEGIUM MUSICUM, Wilhelm Nellessen, an der Orgel mit.

Im November 1952 fuhr das Orchester nach Paris und konzertierte im Chateau de Val Flory in Marly le Roi; das Konzert wurde seinerzeit von Radiodiffusion Francaise übertragen.

papsch

Erich Papsch

Als Nachfolger von Klemens Heinen übernahm 1961 Erich Papsch, ebenfalls Studienrat am Städtischen Siebengebirgsgymnasium, die Leitung des COLLEGIUM MUSICUM . Dank des eingespielten Stammes gelang der Übergang reibungslos, und auch in den folgenden Jahren hatte die Honnefer Bevölkerung Gelegenheit, bei zahlreichen Konzerten alte und neue Meister in klangvoller Darbietung zu hören.

Dass das COLLEGIUM MUSICUM als fester Bestandteil des Honnefer Kulturlebens galt, bewies sein zahlreiches Auftreten bei offiziellen Anlässen, so zum Beispiel bei Geburtstagsfeiern des damaligen Bundeskanzlers Adenauer. Auch außerhalb Bad Honnefs hatte das COLLEGIUM MUSICUM des öfteren Gelegenheit aufzutreten. So gab es unter anderem Konzerte in Zülpich, Seligenthal, Erpel, Unkel, Bad Hönningen und Aachen, und machte so den Namen Honnefs auch im kulturellen Bereich außerhalb der Stadtgrenzen bekannt. Erich Papsch, der nach einigen Jahren auswärts eine neue berufliche Wirkungsstätte gefunden hatte, betreute von dort aus das Orchester weiter bis zum Jahre 1971.

Manfred Liefländer

Manfred Liefländer

Manfred Liefländer, Honnefer und Dozent an der Musikhochschule Dortmund, der bereits seit der Gründungszeit des öfteren als Solist mitgewirkt hatte, konnte, bestens mit dem Klangkörper vertraut, die Arbeit erfolgreich fortsetzen. Unter seiner Leitung baute das COLLEGIUM MUSICUM sein Repertoire weiter aus, auch zur vokalen Seite hin: dem schon bei der Gründung in Erscheinung getretenen Kammerchor gab er nach Jahren wieder eine Chance, sich zusammenzufinden und zu konzertieren. So in einem Konzertprogramm mit den vier Nocturnes von Mozart, und im Advent 1973 den ersten Teil von Händels „Messias“ in „einer vorbildlichen Gemeinschaftsleistung in St. Johann Baptist“ (HVZ) mit den Chören der evangelischen und katholischen Gemeinden Honnefs und seinem leistungsstarken Orchester, dazu vier Solisten aus seiner Schule.

Eine noch Jahre fortwirkende schöne Tradition nahm unter seiner Leitung ihren Anfang: die sommerlichen Serenaden, zunächst im Park der Villa Schaaffhausen, dann später unter Wilhelm Nellessen im Rathaussaal und im Park von Schloss Hagerhof.

Wilhelm Nellessen

Wilhelm Nellessen

Ab 1981 leitete Wilhelm Nellessen das Orchester, dem er 1988 den Kammerchor mit regelmäßigen Oratorien-Konzerten zur Seite stellte: Bachs Weihnachtsoratorium, Händels Messias, Mendelssohns „Paulus“ und „Elias“, Haydns „Jahreszeiten“ u. a. Zahlreichen jungen Honnefer Musikern bot er mit seinem Orchester Gelegenheit, solistisch aufzutreten.

Einen vielbeachteten Auftritt hatte das COLLEGIUM MUSICUM im März 1984 in der Beethovenhalle in Bonn. Der Rundfunk- und Fernseh-Kinderchor von Radio Moskau weilte seinerzeit auf Einladung der Sängerjugend Siebengebirge in Deutschland und gastierte unter anderem in Bonn. Das Orchester war zur instrumentalen Umrahmung und Begleitung der Chöre eingeladen worden. Das als „Festival der Freude“ bezeichnete Konzert fand in Anwesenheit des ehemaligen Bundespräsidenten Scheel und des Russischen Botschafters statt und fand ein begeistertes Echo bei Publikum und Presse.

Ein Höhepunkt in der Geschichte des Orchesters waren die Jubiläumskonzerte zum 40jährigen Bestehen und hier insbesondere das dritte: vereinte es doch noch einmal alle bisherigen vier Dirigenten, die je ein Werk der Klassischen Konzertliteratur mit dem Orchester aufführten. Eine besondere Freude dürfte für den Gründer Klemens Heinen gewesen sein, dass sein Sohn Ulrich Heinen, 1. Solocellist des weltberühmten City of Birmingham Symphony Orchestra den Solopart in Haydns Cellokonzert in C-Dur übernommen hatte, das unter seinem Dirigat gespielt wurde.

1993 gründete Wilhelm Nellessen, anknüpfend an die Zeiten des Kurorchesters im Badeort Honnef, vorwiegend aus Mitgliedern des Kammerorchesters, ein Salonorchester. Was damals aus Anlass der Wiedereröffnung des renovierten Kurhaus-Saales begann, fand mit sommerlichen Serenaden, Neujahrskonzerten und sogar auswärtigen Gastspielen (September 1997 in Berck-sur-mer) seine Fortsetzung.

Fast sechzig Jahre COLLEGIUM MUSICUM wären nicht denkbar, wenn das Orchester nicht über einen Stamm treuer und hervorragender Mitwirkender verfügt hätte. Nicht hoch genug kann veranschlagt werden, dass Chor und Orchester hauptsächlich aus Honnefer Bürgern bestehen. Dass auch in Bad Honnef Chor- und Orchestermusik nicht nur von auswärtigen Ensembles gehört, sondern von interessierten Bürgern aktiv gepflegt werden kann, sollte von allen Musikfreunden als ein wichtiges kulturelles Anliegen gesehen werden. Insbesondere für die Jugend ist diese Möglichkeit von großer Bedeutung.

Rolf Beitzel

Rolf Beitzel

Nachdem Wilhelm Nellessen 2004, fast 80-jährig, die Leitung des „Collegium Musicum instrumentale et vocale “ abgab, gingen Chor und Orchester „getrennte“ Wege – aber nur organisatorisch; musikalisch ist die Zusammenarbeit nach wie vor eng. Da heute leider helfende Zuschüsse der Stadt nicht mehr möglich sind, müssen die Gruppierungen finanziell auf eigenen Füßen stehen; sie konstituierten sich daher als gemeinnützige Vereine. Das „Collegium Musicum Bad Honnef e.V.“ verpflichtete 2005 Rudolf Beitzel, den langjährigen Leiter der Bad Honnefer Musikschule, als Dirigenten. Der „Kammerchor des Collegium Musicum e.V.“ wird von Ulrich Hülder geleitet.

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