"Der Durchzug durchs Rote Meer" - Eine Wiederentdeckung

„Der Durchzug durchs Rote Meer“ – Eine Wiederentdeckung

Das diesjährige Chor- und Orchesterkonzert, das der Kammerchor des Collegium Musicum veranstaltet, ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich und spektakulär. Mit dem Oratorium „Der Durchzug durchs Rote Meer“ von Johann Nepomuk Hummel  kommt ein Werk zur Aufführung, das lange Zeit als verschollen galt.

Der aus Bratislava stammende Johann Nepomuk Hummel (1778-1837) gehörte zu den wenigen nachgewiesenen Schülern W. A. Mozarts, und als einzigem von Mozarts Schülern gelang ihm eine professionelle internationale Karriere als Komponist und auch als Musiker bzw. Pianist. Schon beim ersten Vorspielen soll Mozart ausgerufen haben: „Den Bub müssen’s mir da lassen: den lass ich nicht aus; aus dem kann was werden!“

Hummel wirkte am Esterházyschen Hof und wurde später Kapellmeister in Weimar. Besondere Aufmerksamkeit genossen zu seiner Zeit seine vielen Klavierkompositionen und Kammermusikwerke. Das Oratorium „Der Durchzug durchs Rote Meer“ lehnt sich – wenn auch nicht vom Umfang her – an Haydns Schöpfung, an Oratorien Händels und C.P.E. Bachs an, doch es erweist sich in der melodischen Erfindung und formalen Ausgestaltung als ganz eigenständige Arbeit.

Der erste Teil des Oratoriums schildert die Sklavenzeit in Ägypten, die zweite den Durchzug durchs Rote Meer nach „Kanaan, wo Milch und Honig fließt“. Auffällig ist die enge Verzahnung von Chor und Soloteilen. Zentrale Aufmerksamkeit gebührt dem Rezitativ Nr. 7, in dem der Bericht von den zehn Plagen vom Orchester tonmalerisch ausgestaltet wird. Auch in der formalen Ausstattung erweist sich Hummels Oratorium als kunstvolle Arbeit.

Zu Hummels Lebzeiten nie aufgeführt, lag „Der Durchzug durchs Rote Meer“ hundert Jahre lang unbeachtet in der British Library in London, ehe es von Herrmann Max 2007 entdeckt und erstmals mit der Rheinischen Kantorei wieder aufgeführt wurde.

Mit Felix Mendelssohn Bartholdys Vertonung des 42. Psalms „Wie der Hirsch schreit“ für Soli, Chor, Orchester und Orgel, op. 42, kommt ein weiteres selten gespieltes Stück Kirchenmusik zur Aufführung. Das Werk entstand größtenteils während Mendelssohns Hochzeitsreise 1837. Die Uraufführung der ersten Fassung fand am 1. Januar 1838 im Leipziger Gewandhaus statt, im Frühjahr folgte die endgültige Fassung. Robert Schumann urteilte, das Werk sei „die höchste Stufe, die er als Kirchenkomponist … erreicht hat“

Das Konzert findet am Sonntag, den 19. November 2017 um 16 Uhr in der katholischen Pfarrkirche St. Marien in Bad Honnef Rhöndorf statt.

Es singt der Kammerchor des Collegium Musicum Bad Honnef (Einstudierung: Ulrich Hülder), begleitet vom Collegium Musicum Bad Honnef (Einstudierung: Rolf Beitzel). Solisten sind Marina Unruh und Anniek-Manon Althen (Sopran), Michael Kurz (Tenor) und Frédéric Mörth  (Bass). Die Gesamtleitung hat Ulrich Hülder.